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Tapezieren lernen: Raufaser und Vliestapete Schritt für Schritt

Unterschiede zwischen Papier-, Raufaser- und Vliestapeten, Material, Untergrundvorbereitung, das Kleben der ersten Bahn, Ecken, Steckdosen und Heizkörper sowie das Entfernen alter Tapeten.

Tapezieren gilt als Königsdisziplin des Renovierens. Dabei ist es mit modernen Vliestapeten und etwas Planung gut zu schaffen, auch für Einsteiger. Schwierig wird es meist an denselben Stellen: Die erste Bahn hängt schief, die Ecken wellen sich, an Steckdosen entstehen Risse, und die Nähte klaffen nach dem Trocknen auf.

Diese Anleitung erklärt die wichtigsten Tapetenarten, das nötige Material, die Vorbereitung des Untergrunds und das Tapezieren Schritt für Schritt, einschließlich Ecken, Steckdosen, Fenster und Heizkörper. Am Ende erfährst du, wie man alte Tapeten am einfachsten entfernt.

Welche Tapete wofür?

TapeteEigenschaftenKlebenFür wen
PapiertapeteGünstig, viele Muster, dehnt sich beim EinweichenBahn einkleistern, Weichzeit abwartenErfahrene, die mit Weichzeiten umgehen können
RaufaserPapier mit Holzfasern, wird überstrichenBahn einkleistern, WeichzeitKlassiker in Mietwohnungen, kaschiert kleine Unebenheiten
VliestapeteFormstabil, dehnt sich nicht, trocken abziehbarWand einkleistern, Bahn trocken anlegenEinsteiger, schnelle Arbeit
VinyltapeteStrapazierfähig, abwaschbarMeist auf Vliesträger, Wand einkleisternKüchen, Flure, Kinderzimmer
GlasfasergewebeSehr robust, wird überstrichenWand einkleisternStark beanspruchte Wände, Risse überbrücken

Empfehlung für Einsteiger: Vliestapete. Sie wird nicht eingeweicht, die Bahnen bleiben gleich lang und breit, und beim nächsten Renovieren lässt sie sich trocken in ganzen Bahnen abziehen.

Material und Werkzeug

  • Tapete mit gleicher Chargennummer auf allen Rollen (sonst Farbunterschiede möglich).
  • Kleister passend zur Tapete: Vlieskleister für Vliestapeten, Normalkleister für Papier und Raufaser.
  • Eimer, Rührstab, Kleisterbürste oder Kleisterrolle.
  • Tapeziertisch (für Papier und Raufaser).
  • Tapezierbürste oder Andrückrolle, bei Vlies auch ein Tapezierspachtel aus Kunststoff.
  • Cuttermesser mit vielen Ersatzklingen und ein breiter Metallspachtel als Schneidhilfe.
  • Nahtroller für die Stöße.
  • Zollstock, Wasserwaage oder Lot, Bleistift.
  • Schwamm und Wasser für Kleisterreste.
  • Leiter.

Wie viele Rollen?

Eine Standardrolle ist 10,05 m lang und 53 cm breit. Bei einer Raumhöhe von 2,50 m ergibt eine Rolle etwa drei Bahnen, wenn kein Rapport (Musterversatz) beachtet werden muss.

Rechenbeispiel: Raumumfang 15 m, abzüglich Türen und Fenster etwa 2 m Breite = 13 m. 13 m : 0,53 m ≈ 25 Bahnen. 25 : 3 ≈ 9 Rollen. Bei gemusterten Tapeten mit Rapport eine Rolle mehr einplanen. Breite Vliestapeten mit 1,06 m halbieren die Zahl der Bahnen.

Schritt 1: Untergrund vorbereiten

Der Untergrund muss sauber, trocken, fest und eben sein.

  • Alte Tapeten entfernen (siehe unten).
  • Löcher und Risse spachteln und schleifen. Siehe Löcher in der Wand spachteln.
  • Stark saugende Wände wie frischer Gipsputz oder Gipskarton mit Tiefgrund oder verdünntem Kleister vorstreichen. Sonst entzieht die Wand dem Kleister zu schnell Wasser und die Tapete haftet schlecht.
  • Glatte, nicht saugende Flächen, etwa Ölfarbe, anschleifen.
  • Bei Vliestapeten auf dunklen oder fleckigen Wänden einen weißen Grundanstrich auftragen, weil manche Vliese leicht durchscheinen.
  • Sicherung ausschalten und Steckdosen- und Schalterabdeckungen abschrauben.

Schritt 2: Die erste Bahn ausrichten

Die erste Bahn bestimmt, ob alle weiteren gerade hängen. Raumecken sind selten wirklich senkrecht.

  1. In einer Ecke neben dem Fenster beginnen und von dort aus vom Licht weg arbeiten. So fallen eventuelle Überlappungen bei Papiertapeten nicht als Schatten auf.
  2. Von der Ecke aus eine Bahnbreite minus etwa 1 cm abmessen.
  3. Dort mit Wasserwaage, Lot oder Kreuzlinienlaser eine senkrechte Linie über die ganze Wandhöhe ziehen. Siehe Messen und Anreißen.
  4. Die erste Bahn wird an dieser Linie ausgerichtet, nicht an der Ecke. Der kleine Überstand in die Ecke wird später abgeschnitten.

Schritt 3a: Vliestapete kleben

  1. Kleister anrühren nach Packungsangabe und quellen lassen.
  2. Wand einkleistern: Mit Rolle oder Bürste einen Streifen gleichmäßig auftragen, etwas breiter als eine Bahn.
  3. Bahn trocken von der Rolle anlegen, oben etwa 5 cm überstehen lassen, an der Lotlinie ausrichten.
  4. Andrücken: Mit Tapezierbürste oder Andrückrolle von der Mitte nach außen und von oben nach unten. Luftblasen herausstreichen.
  5. Überstände abschneiden: Breiten Spachtel in die Kante zwischen Wand und Decke beziehungsweise Fußleiste drücken und mit scharfem Cutter entlangschneiden. Klinge häufig abbrechen: Eine stumpfe Klinge reißt die feuchte Tapete.
  6. Nächste Bahn Stoß an Stoß ansetzen, ohne Überlappung, und die Naht mit dem Nahtroller andrücken.
  7. Kleisterreste sofort mit feuchtem Schwamm abtupfen.

Schritt 3b: Raufaser und Papiertapete kleben

  1. Bahnen zuschneiden: Raumhöhe plus etwa 10 cm.
  2. Auf dem Tapeziertisch einkleistern, gleichmäßig bis zu den Rändern.
  3. Zusammenlegen: Beide Enden zur Mitte falten, Kleister auf Kleister, ohne zu knicken.
  4. Weichzeit einhalten, meist 5 bis 10 Minuten. Alle Bahnen gleich lang weichen lassen, sonst sind sie unterschiedlich breit.
  5. Anlegen, ausrichten, andrücken und abschneiden wie bei Vlies.

Schritt 4: Ecken

  • Innenecken: Die Bahn nicht in einem Stück um die Ecke führen. Stattdessen die Bahn etwa 1 cm um die Ecke ziehen, abschneiden und die nächste Bahn an einer neuen Lotlinie auf der anderen Wand beginnen, sodass sie die Überlappung in der Ecke abdeckt.
  • Außenecken: Die Bahn 2 bis 3 cm um die Ecke führen. Die nächste Bahn lotrecht ansetzen und mit einem Doppelnahtschnitt sauber anschließen, wenn nötig.

Schritt 5: Steckdosen, Fenster und Heizkörper

Steckdosen und Schalter

Sicherung aus, Abdeckung ab. Tapete über die Dose kleben, mit dem Cutter ein Kreuz in die Öffnung schneiden, die Laschen zurückklappen und entlang des Dosenrands abschneiden. Nach dem Trocknen die Abdeckung wieder montieren.

Fenster und Türen

Die Bahn über den Rahmen kleben, an der Ecke des Rahmens schräg einschneiden und die Überstände entlang des Rahmens abschneiden. Laibungen werden mit eigenen Zuschnitten tapeziert.

Hinter Heizkörpern

Die Bahn so weit wie möglich hinter den Heizkörper schieben, an den Halterungen von unten einschneiden und mit einem langen, schmalen Tapezierpinsel oder einem Heizkörperroller andrücken. Alternativ hinter dem Heizkörper nur streichen.

Schritt 6: Trocknen

  • Keine Zugluft und keine Heizung auf hoher Stufe während der Trocknung. Sonst trocknet die Tapete zu schnell und die Nähte reißen auf.
  • Raufaser erst überstreichen, wenn sie vollständig getrocknet ist, meist nach 24 Stunden. Siehe Wand streichen.

Alte Tapeten entfernen

TapeteMethode
VliestapeteEcke anheben, trocken in ganzen Bahnen abziehen
Papier und RaufaserMit Stachelwalze perforieren, mit warmem Wasser und Spülmittel oder Tapetenablöser einweichen, nach 15 Minuten mit Spachtel abstoßen
Mehrere Schichten oder hartnäckigDampf-Tapetenablöser (leihbar)
VinylObere Schicht trocken abziehen, Trägerpapier einweichen und abstoßen

Vorsicht: Beim Einweichen nicht zu viel Wasser an Steckdosen bringen. Sicherung ausschalten. Gipskartonwände nicht durchnässen, sonst löst sich der Karton.

Häufige Probleme

ProblemUrsacheLösung
Nähte klaffenZu schnelle Trocknung, Papiertapete ungleich geweichtZugluft vermeiden, Weichzeiten einhalten, Naht mit Kleister nachkleben
BlasenZu wenig oder ungleichmäßiger Kleister, nicht ausgestrichenBlase mit Spritze und Kleister füllen oder anritzen und andrücken
Schiefe BahnenNicht nach Lot ausgerichtetErste Bahn und Ecken immer neu loten
Ausgefranste SchnittkantenStumpfe KlingeKlinge oft abbrechen
Tapete löst sichSaugender oder staubiger UntergrundGrundieren, Kleister passend wählen

Zeitbedarf und Kosten

SchrittZeit für ein Zimmer von etwa 15 m²
Alte Tapete entfernen3 bis 6 Stunden
Spachteln und grundieren2 bis 4 Stunden plus Trocknung
Vliestapete kleben4 bis 6 Stunden
Raufaser kleben5 bis 7 Stunden
Raufaser zweimal streichen4 bis 6 Stunden plus Trocknung

Material: Tapete, Kleister, Kleinwerkzeug. Ein Dampf-Tapetenablöser lässt sich im Baumarkt tageweise leihen.

Praxisbeispiel: Ein Kinderzimmer mit Vliestapete

Eine Familie tapeziert eine Wand im Kinderzimmer mit einer gemusterten Vliestapete. Die übrigen Wände bleiben weiß gestrichen.

  1. Die alte Raufaser wird mit Stachelwalze und warmem Wasser eingeweicht und abgestoßen.
  2. Dübellöcher werden gespachtelt, die Wand grundiert.
  3. Mit dem Kreuzlinienlaser wird die erste Lotlinie projiziert.
  4. Die Bahnen werden mit Rapport von der Rolle geschnitten und nummeriert.
  5. Wand einkleistern, Bahn anlegen, ausrichten, andrücken, abschneiden.

In fünf Stunden ist die Wand fertig, die Naht ist kaum zu sehen.

Häufige Fragen

Muss ich Raufaser überstreichen?

Ja, Raufaser ist zum Überstreichen gedacht und kann mehrfach überstrichen werden.

Kann ich Tapete über Tapete kleben?

Davon ist abzuraten. Die alte Tapete kann sich durch die Feuchtigkeit lösen und alles mit herunterziehen.

Wie lange dauert ein Zimmer?

Für einen Raum von etwa 15 m² mit Vliestapete rechnen Einsteiger mit einem Tag, plus Vorbereitung.

Fazit

Mit Vliestapete gelingt Einsteigern das Tapezieren am leichtesten: Wand einkleistern, Bahn trocken anlegen, ausrichten, andrücken, abschneiden. Bereite den Untergrund gründlich vor, richte die erste Bahn an einer Lotlinie aus, behandle Ecken mit neuen Lotlinien, schneide mit scharfer Klinge und vermeide Zugluft beim Trocknen. Dann sitzen die Bahnen gerade und die Nähte bleiben geschlossen.

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